Günter Goldklau & Die Silberponys

Vor ein paar Jahren tauchten plötzlich in Silberg ein paar seltsam gekleidete Männer auf. Sie schienen aus einer anderen Zeit gekommen zu sein, denn so kleidete sich heutzutage niemand mehr hier im Sauerland. Diese Männer hatte in Silberg auch noch niemand vorher gesehen und keiner kannte sie. Sie streiften durchs Dorf, fragten die Dorfbewohner nach mysteriösen Vorkommnissen und einem versteckten Silberstein aus. Sie inspizierten Grundstücke, landwirtschaftliche Flächen und den angrenzenden Wald.

Besonders lange trieben sie sich auf dem Reiterhof herum, taten so als wollten sie reitunterricht nehmen wollen und schauten dabei heimlich in jeden Winkel. Doch mit dem Reiten wurde es nichts, denn genauso plötzlich, wie sie gekommen waren, verschwanden sie auch wieder und wurden lange Zeit auch nicht mehr gesehen. Die Leute im Dorf aber wunderten sich über die Fragen, die die Männer gestellt hatten und sprachen untereinander noch eine ganze Weile davon. So hörte auch der Hobby- Heimatforscher aus Hilchenbach Matthias B. von den Ereignissen und hatte die Idee in alten Schriften, die im Gemeindearchiv lagerten, nachzuschauen, ob er irgendetwas über das Versteck eines wertvollen Silbersteins und mysteriöse Vorfälle in der Umgebung finden würde. Jede freie Minute verbrachte er mit lesen in Geschichtsbüchern aus der Heimat, er studierte alte Briefe, Postkarten und Notizbücher.

Und?...

Schließlich wurde er fündig!

In einem alten Tagebuch von der Magd Anneliese, die es vor mehr als 100 Jahren geschrieben hatte, bekam er Antworten, die zu den Fragen der seltsamen Männer passten.

Matthias B. erfuhr aus den Notizen, dass Anneliese auf dem Anwesen, welches heute zum Reiterhof gehört, arbeitete.

Damals war es ein landwirtschaftlicher Betrieb mit einer Pension für wandernde Erholungssuchende und Durchreisende sowie einer kleinen Gastwirtschaft. In dieser Zeit gab es noch keinen Fernseher, keine Laptops, Tablets oder gar Handys. Die Menschen saßen in ihrer Freizeit beisammen und erzählten sich Geschichten.

Geschichten, die sie erlebt oder von denen sie gehört hatten.

Und so hatte auch Anneliese schon viele Geschichten gehört, von Menschen, die in der Gastwirtschaft saßen, aßen und tranken und erzählten...

Und so schrieb sie am 27.09. 1921 folgendes in ihr Tagebuch:


Liebes Tagebuch, heute schreibe ich die Geschichte auf, die ich von einer alten Frau aus der Nachbarschaft gehört habe. Sie erzählte davon, dass tief verborgen im Silberwald eine Feenkönigin in einem wunderschönen Schloss aus weißem Marmor und silbernenn Fenstern und Türen lebt. Ihre Gehilfen bestehen aus einer Gruppe von Feen, Kobolden, Elfen und Silberponys die versteckt im Wald hinter dem Dörfchen "Silberg" aber auch auf den Höfen der Dorfbewohner leben. Dieses Feenreich ist eines der schönsten Landschaften im ganzen Sauerland und ihre menschlichen Bewohner gelten als die glücklichsten im ganzen Land. Das soll an den Silberponys liegen, die auf den Weiden rund um Silberg leben und grasen und die denjenigen Menschen dauerhaftes Glück bescheren, die ihnen mit einem "reinen Herzen" begegnen und für einen Moment den silbernen Schimmer im Fell der Ponys erkennen. Die Ponys sehen nämlich sonst eigendlich wie ganz normale Ponys aus und haben alle möglichen Fellfarben.

Die Kobolde sind die guten Hausgeister der Menschen und bewachen deren Hab und Gut. Nur manchmal spielen sie den Menschen kleine, witzige Streiche, weil sie ein lustiges Völkchen sind.

In der Schatzkammer des Feenschlosses wird seit Urzeiten ein wertvoller Silberstein aufbewahrt, der für die positive Energie, die im Feenreich herrscht sorgt und auch das Material für energiegeladene Schmuckstücke liefert. Die Feenkönigin hat sogar eine Krone aus Silberstein.

Vor drei Tagen gab es ja ein furchtbares Unwetter hier in Silberg mit Blitzschlag und Donnergrollen, es war ungewöhnlich beängstigend. Die alte Frau hat mir erzählt, daß es der Zorn des Zauberers Clowig aus dem Riesengebirge gewesen war. Dieser wollte unbedingt die Feenkönigin zur Frau haben und mit ihr im Feenschloss leben, aber die Feenkönigin wollte Clodwig nicht heiraten und so gerieten die beiden in einen furchtbaren Streit.

Die Kobolde hatten diesen Streit kommen sehen und heimlich den Silberstein aus der Schatzkammer in ein Versteck bei den Menschen gebracht. Man munkelte, er sei bei der Gastwirtschaft versteckt worden. Dort konnte ihn der Zauberer nicht finden, denn er war gegen die Menschen machtlos. Als Clodwig merkte, dass er weder die Feenkönigin, noch ihr Schloss besitzen konnte und dann auch noch die Schatzkammer leer war, wurde er rasend vor Wut und schickte Blitz und Donner, Hagel und Wutwind ins Land.

Er brauste unter wildem Fluchen entäuscht zurück in sein Riesengebirge. Ein Fluch den er beim Verlassen des Silberwaldes aussprach, lautete:

100 Jahre wird Silberg den Silberstein verbergen und niemand wird sich erinnern können, wo er sich genau befindet.


Matthias B dachte nach.

Ja genau es waren gerade diese 100 Jahre Fluch vergangen, was bedeuten würde, dass der Silberstein wieder gefundenwerden konnte und das wiederum wussten wohl auch die seltsamen Männer, die gekommen waren, um nach dem Schatz zu suchen. Er musste unbedingt mal mit der Besitzerin vom Reiterhof sprechen. Die kannte er gut, denn dort stand ja auch das Pony seiner Tochter.